Komm, wer immer du bist – Konversion zum Islam
In meiner neuen Portraitserie geht es um das Thema Konversion zum Islam. Ich habe Menschen portraitiert, die den Glauben „Islam“ angenommen haben. Sie leben inzwischen seit 25 bis fast 40 Jahren als gläubige Muslime.

Sie sind Deutsche und kommen aus verschiedenen Konfessionen. Die meisten Protagonisten wurden streng katholisch oder evangelisch erzogen, andere hatten keinen religiösen Hintergrund. Allen gemeinsam ist, dass sie lange Zeit nach einer spirituellen Heimat gesucht haben. Sie hatten verschiedene Glaubensrichtungen ausprobiert und miterlebt, wie den Buddhismus oder Hinduismus. Am Ende haben sie sich im Sufismus bzw. im Islam gefunden. Dabei handelt es sich um eine Strömung innerhalb des Islam, die versucht Gott mit dem Herzen zu erfahren. Der Sufismus wird deshalb auch als „der innere Weg des Islam“ oder „der Weg des Herzens“ bezeichnet.

Der Sufi-Lehrer aus der Naqschbandi Tradition, Sheikh Nazim Adil al Hakkani aus Zypern, hatte eine entscheidende Rolle in dem Leben der Protagonisten gespielt. Er war ein großes Vorbild für sie. Die Protagonisten waren fasziniert von seinem bescheidenen Leben und von seiner Erscheinung, er wirkte auf sie wie ein Heiliger.

Durch diesen Sufi-Lehrer haben sie den Islam anders kennengelernt. Und sie haben durch ihn oder andere Muslime, die dem Sufismus nah standen, etwas erlebt, was sie früher vermisst haben. Z. B. Gemeinschaft, die Art des Zusammenlebens von Familien oder die Gastfreundlichkeit der Muslime, Hilfsbereitschaft und Offenheit, Toleranz.

Diese Menschen haben sich mit all ihrem Bildungs- und Erziehungshintergrund frei für den Islam entschieden. Sie haben studiert, gearbeitet, sind viel gereist und haben andere Kulturen entdeckt, sich für andere Kulturen interessiert, waren neugierig auf eine andere Welt, in der sie sein mochten.

Meine Motivation bei dieser Arbeit war es, diese Menschen kennen zu lernen und ihre Geschichten und Beweggründe festzuhalten. Ich habe versucht, die Lebensweisen der Protagonisten “ins Bild zu setzen”, dem Betrachter zu vermitteln. Mit den Portraits wollte ich die innere Ruhe, die sie am Ende ihre Suche gefunden haben, zum Ausdruck bringen. Auch Ihre gelebte Bescheidenheit kann man darin finden oder herauslesen. Ich wollte mit dieser Fotoreihe den Islam in einer anderen Perspektive und einem positiven Kontext zeigen. Der Islam ist so facettenreich, es gibt so viele Wege, wie man Ihn lebt und wie man Ihn auslegt.

Für das Fotoprojekt habe ich verschiedene Sufi Orden oder Vereine und Dhikr/Meditation Abende (Dhikr heißt Gedenken an Gott) besucht. Z.B. das deutsche Zentrum für Sufismus, die „Osmanische Herberge“ in der Eifel von der Naqschbandi Tradition.

Eine kurze Erklärung noch zum Titel „Komm, wer immer du bist“ ist ein Leitspruch des persischen Mystikers „Mevlana Celaleddin Rumi“ aus dem 12. Jahrhundert. Der Mystiker „Mevlana Celaleddin Rumi“ zählt auch als Leitmotiv bei den Protagonisten. Ich habe diesen Titel genommen, weil es eine weltoffene und positive Einladung ist.